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Informationen zu den Rätseln alter Erdkarten

January 21, 2018

zum Facebookbeitrag Nr. 90 vom 21. Januar 2018

 

Geographischen Entdeckungen bis 1500

 

Um die Problematik zu zeigen, hier grob der Wissensstand des 20. Jahrhunderts für die Erforschung der Gebiete, welche auf dem Fragment der türkischen Karte zu sehen sind.

 

Noch einmal zur Erinnerung: die Karte des Piri Reis wurde 1513 gezeichnet, ihre Quellen sind Jahrzehnte älter.

Der folgende Überblick zeigt deutlich wie korrekturbedürftig unsere Kenntnisse von den Entdeckungsreisen sind. Hier sei noch anzumerken, dass sich die Europäer schon immer als Weltentdecker bezeichnen. Ist es nicht eigenartig, dass alle Erdkarten Europa im Zentrum abbilden? Die Entdecker der Osterinsel waren gewiss nicht die Holländer, sondern die ersten Menschen, die neues Land suchten und die kamen lange vor den Europäern. Gleiches gilt natürlich für Europa.

 

Afrika: Heinrich der Seefahrer gründete in Sagres (Portugal) die erste Seefahrerschule der Welt. Ab 1416 erkunden seine Schiffe die Nordwestküste Afrikas. 1483 entdeckt Diego Cao die Mündung des Kongo-Flusses und erreicht zwei Jahre später Kap Cross an der Küste des heutigen Namibia. Bartolomeu Diaz fährt 1488 noch weiter nach Süden. Sein Schiff wird während eines Orkans um das heutige Kap der Guten Hoffnung, das Diaz „Kap der Stürme“ nannte, getragen. Bemerkenswerte Erkenntnis im Logbuch: „Die Sonne geht ja plötzlich aus der anderen Richtung auf.“

 

Madeira Inselgruppe: 1418 entdecken Portugiesen Madeira.

 

Azoren: Schiffe von Heinrich dem Seefahrer erreichen 1427 diese Inseln.

 

Sargassosee: Portugiesen gelangen schon 1460 in die Nähe der amerikanischen Ostküste.

 

Mittelamerika mit Karibik: Columbus fährt 1492 zu den Bahamas, entdeckt Kuba und Haiti.

 

Anden: Juan de Ayolas nimmt an der 1534 in Sanlúcar de Barrameda gestarteten Expedition von Pedro de Mendoza nach Südamerika teil und gilt heute als Entdecker der Anden.

 

Brasilien: wird 1500 von den Europäern entdeckt.

 

Pazifik: 1513 erreicht der Spanier Balboa nach der Durchquerung der Landenge von Panama als erster Europäer den Stillen Ozean. Pizarro fährt zwischen 1531 und 1533 an der Westküste Südamerikas von Panama aus bis Equador.

 

Florida: wird 1513 von dem Spanier Juan Ponce de León erreicht.

 

Magellanstraße: Auf der ersten damals bekannt gewordenen Weltumsegelung (1519 bis 1521) entdeckt Ferdinand Magellan die Passage zwischen Atlantik und Pazifik.

 

Südamerika: Die Gonzalo-Pizarro-Expedition (1540 bis 1542) erforscht Südamerika. 1799 bis 1803 unternimmt der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt seine Forschungsreise nach Südamerika und entdeckt den nach ihm benannten Meeresstrom.

 

Antarktis: James Cook sichtet 1773 einige arktische Küsten. Weitere Annäherungen an den Kontinent finden unter anderem mit Sir James Clarke Ross (1800 bis 1862), Adrien de Gerlache (1866 bis 1934), Carsten Eggeberg Borchgrevink (1864 bis 1934) und Charles Wilkes (1798 bis 1877) erst im 19. Jahrhundert statt. 1912 erreicht Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol.

 

Mit der Karte des Toscanelli im Gepäck gelangte Columbus nach Amerika, aber woher hatte Toscanelli sein Wissen?

 

Die Karte spielt in der Entdeckungsgeschichte Amerikas eine große Rolle. Toscanelli ist möglicherweise der Urheber der Columbusidee, dass man auch westwärts von Europa nach Asien fahren könne. Die Entdeckung Amerikas erlebte er nicht mehr. Doch vor seinem Tod schrieb Toscanelli an Columbus:

 

„Ich höre von ihrem großartigen und erhabenen Wunsch, die Länder des Ostens über die des Westens zu erreichen, wie es auf der Karte abgebildet ist, die ich Ihnen geschickt habe.“ 

Columbus Logbuch: 24. Oktober 1492

 

 

Waren chinesische Seefahrer die Weltentdecker?

 

Aus all den Fakten lässt sich nur ein Schluss ziehen: Irgendeine Nation muss vor den Europäern erfolgreich unterwegs gewesen zu sein.

Möglicherweise waren es die Seefahrten des chinesischen Admirals Zheng He (1371 bis 1433), die Aufklärung über einige geographische Angaben auf den alten Erdkarten geben können. Ein Vertreter dieser Idee ist der Engländer Gavin Menzies (geb. 1937).

 

Menzies vermutet, dass chinesische Flotten auf Befehl des Kaisers Zhu Di von 1421 bis 1423 unter den Admiralen Zheng He, Zhou Wen, Zhou Man und Hong Bao den amerikanischen Kontinent vor Columbus entdeckten und zudem das erste Mal, 100 Jahre vor Magellan, die Welt umsegelten.

 

Eines der Riesenschiffe aus der Flotte von Zheng He. Im Vordergrund ist, zum Vergleich, eines der drei Segelschiffe dargestellt, mit denen Columbus Amerika erreichte. (Repro: nach Menzies)

 

Dabei sollen die Chinesen nicht nur Nord- und Südamerika, sondern auch Australien, die Arktis und die Antarktis entlang ihrer Küstenlinien kartographiert worden sein. Menzies vertritt die Ansicht, erst die Kenntnis dieser Karten habe die weltweiten Entdeckungen der europäischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert möglich gemacht.

 

Dafür gibt es zahlreiche Hinweise, hier nur noch ein Beispiel: Auf Martin Waldseemüllers Erdkarte von 1507 ist der amerikanische Kontinent, einschliesslich Floridas, gezeichnet. Florida wurde nach heutigem, offenbar fehlerhaftem, Wissen erstmals 1513 von Juan Ponce de León betreten.

 

Inzwischen hat Menzies eine chinesische Erdkarte, die aus dem Jahr 1418 stammen soll, in einer Kopie des 18. Jahrhunderts gefunden. Ob sie wirklich eine echte Nachzeichnung der Zhen-He-Karte darstellt, ist nicht zweifellos bewiesen.

 

Kopie der chinesischen Erdkarte von Zheng He.

 

Die Frage, warum das entdeckerfreudige Europa des 16. und 17. Jahrhunderts nicht viel von den chinesischen oder anderen Seereisen wissen wollte, ist allerdings leicht zu beantworten.

Die Kartographen hätten schlicht und ergreifend zugeben müssen von den Chinesen abgezeichnet zu haben. Offenbar kannten nämlich nicht nur Piri Reis, sondern beispielsweise auch die Zeichner der anderen Antarktiskarten die Gebiete vor den europäischen Entdeckungen. Reis hat zwar seine Quellen angegeben, doch lassen sie kaum Rückschlüsse auf die den Angaben zugrunde liegenden Entdeckungsfahrten zu.

 

Also liebe Freunde, sprechen wir jetzt – es wird nötiger als je zuvor – über die Seefahrernation China. Bei Krämer findet sich der Hinweis:

„Die Reisen der Chinesen waren ein glänzender Höhepunkt der chinesischen Seefahrt noch vor Ankunft der Portugiesen in den indischen Gewässern. Es ist erstaunlich, dass die weit reichenden Fahrten lange Zeit ohne Fortsetzung blieben.“

 

Selbst wenn sich Menzies Vermutungen, dass die Chinesen den Atlantik durchquerten, noch nicht bis ins Letzte beweisen lassen, zeigen sie uns doch, dass der Weg der Suche nach früheren Entdeckungsfahrten, zur Klärung der Rätsel alter Erdkarten, der einzig mögliche und richtige ist.

 

Literaturhinweise:

Hertel, Gisa und Peter, Ungelöste Rätsel alter Erdkarten, Gotha, 1983

Hapgood, Charles, Hutchins, Maps oft the Ancient Sea Kings, Dutton, New York, 1966

Menzies, Gavin, 1421, Als China die Welt entdeckte, Droemer, 2003

 

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