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Babylon - Großstadt vor Jahrtausenden

February 22, 2018

 Die mythischen Tiere aus glasierten Ziegeln schmückten einst die Prozessionsstraße am Ischtator.

 

 

Rembrandt van Rijn malte um 1636 "Das Gastmahl des Belšazar".

 

König Belšazar, Sohn des Nebukadnezar II., veranstaltet ein großes Fest und betrinkt sich. Er wird übermütig und lässt sämtliche, goldenen und silbernen Kelche und Pokale 

herbeischaffen, die sein Vater aus Jerusalem geraubt hatte. Daraufhin erscheint eine geisterhafte Hand ohne menschlichen Körper und schreibt mit ihren Fingern fremdartige Worte an die Wand:

 

Mene mene tekel u-parsin

 

was heißt:  Gott hat gezählt die Tage Deiner Königsherrschaft und sie beendet. (Daniel 5.25)

Das könnte sich zwischen 552 und 543 vor Christus ereignet haben.

 

Der historische Ort liegt am Euphrat, etwa 90 Kilometer südlich von Bagdad im heutigen Irak (Provinz Babil). Babylon war die Hauptstadt des gleichnamigen Stadtstaates, der zeitweise über weite Teile des südlichen Zweistromlandes herrschte. Ihre Blütezeit lag zwischen 1800 vor und 100 nach Christus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Rekonstruktionszeichnung ist ein Teil der alten Stadt zu sehen. (Bild: Koldewey)

 

 

Der griechische Historiker Herodot fand Babylon „gewaltig und prächtig gebaut wie meines Wissens keine andere Stadt der Welt“. Babylon wurde von einem riesigen Festungsgürtel umschlossen. Diese Stadtmauern von Babylon besaßen laut Herodot angeblich eine Länge von 86 Kilometern mit einhundert Toren. Zunächst umgibt sie ein tiefer und breiter Wassergraben; dahinter aber eine Mauer, deren Breite 50 Ellen ist, die Höhe aber 200 Ellen (1 Elle gleich 1,14 Meter). Oben auf der Mauer hat man eingeschossige Türme errichtet, zwischen den Türmen einen Durchgang für ein Vierergespann. Die Stadt darin ist voll von Häusern mit drei oder vier Stockwerken und wird durchschnitten von graden Straßen, die längs des Flusses oder quer auf ihn zulaufen. Der Euphrat, ein großer, tiefer, reißender Fluss, der aus Armenien kommt, fließt durch die Mitte hindurch. In der Mitte jedes Teils der Stadt steht ein gewaltiges Gebäude: in der einen der Königspalast, mit einer großen, festgefügten Ringmauer; in der anderen ein Tempel des Zeus Belos. Der Tempelbezirk bildet ein Quadrat, dessen Seite zwei Stadien lang ist, darin ein fester Turm, ein Stadion lang und breit. Darauf steht ein zweiter Turm, darauf wiederum ein dritter, insgesamt acht Türme übereinander. Der Aufgang zu ihnen ist eine Treppe, die außen im Kreis herum hinaufführt. Es wird geschätzt, dass Babylon von 1770 bis 1670 v. Chr. und wiederum von 612 bis 320 v. Chr. die größte Stadt der Welt war. Sie war vielleicht die erste Stadt, die eine Bevölkerung von mehr als 200.000 Einwohnern erreichte.

Welche Leistungen das für die Ver- und Entsorgung erforderte, abgesehen von der übrigen Verwaltung, kann man nur erahnen.

 

 

 

Der Turm zu Babel

Pieter Bruegels malte den Turm zu Babylon. Es ist eine Phantasiedarstellung.

 

Der Turm zu Babel soll unvorstellbar hoch gewesen sein und seine Spitze habe bis zu den Wolken gereicht. Koldewey fand die Fundamente des Turmes. Er ist mit modernen Wolkenkratzern nicht vergleichbar. Immerhin: Der aus Lehmziegeln errichtete rechteckige Tempelbau könnte die für damalige Zeiten gigantische Höhe von 90 Meter erreicht haben.

 

 

 

Weltwunder: Die hängenden Gärten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bild die Prozessionsstraße mit dem Ischtartor und recht oben die hängenden Gärten. (Quelle: Wikipedia)

 

 

Flavius Josephus, jüdischer Schriftsteller (37 bis 100 n. Chr.) berichtet: 

Nebukadnezar befahl, in der Nähe seines Palastes Anhöhen zu errichten und sie mit allerlei Blumen zu bepflanzen. Es ist nur verständlich, dass die blühende Oase im Wüstenklima von Babylon Aufsehen erregte.

In seiner "Historischen Bibliothek" berichtet der Grieche Diodor, der zur Zeit Cäsars Babylon betreten und die hängenden Gärten noch gesehen hatte: 

"Und dann war da noch der Hängende Garten, Paradeisos. Man steigt hinauf wie auf einen Berg. Die Baulichkeiten kommen eine aus der anderen heraus, gleich der Pansflöte, die aus mehreren Rohren von ungleicher Länge besteht, so dass sich ein theaterartiger Anblick ergibt. 7,5 Meter dicke Flankenmauern waren vollendet hergerichtet. Die Abdeckungen der Gänge schlossen steinerne Balken. Darauf ruhte zuerst eine Unterlage von Rohr und viel Asphalt, darauf eine doppelte Schicht von gebrannten Ziegeln in Gips verlegt, darüber eine Bleideckung, damit nicht die Nässe der Fruchterde in die Tiefe hinabsickern sollte.

 

Mit der Gründung der deutschen Orientgesellschaft 1898 begann Robert Koldewey die Ausgrabungen von Babylon. Dabei interessierte ihn auch der Zustand der Ruine der Hängenden Gärten, eines der Sieben Weltwunder der Antike. 

 

Die Hängenden Gärten von Babylon in der Rekonstruktionszeichnung von Koldewey.

 

Über Aufbau und Wirkung berichtet Koldewey in seinem Buch "Das wiedererstehende Babylon":

Entweder wurde das Obergeschoss von dem höher geführten Zentralbau überragt, oder die Gewölbedecke der Zentralkammern trug direkt die Erdschicht für die Bepflanzung, so dass ein innerer, zu ebener Erde gelegener, bepflanzter Hof entsteht. Der praktische Erfolg der ganzen Anordnung bestand zweifellos darin, dass das Gebäude in höchstem Grade gegen die Wirkungen der hohen Sommertemperatur geschützt war. Denn die stetig bewässerte Vegetation muss die Luft in wohltätigster Weise abgekühlt haben, die durch das Laub der Bäume in die Kammern eindrang. Was die Hängenden Gärten in die sieben Weltwunder einreihte, war die Anlage eines Gartens auf der Decke eines benutzbaren Gebäudes.

 

 

 

Wie sieht es heute in Babylon aus?

Das Bild zeigt einen Blick auf den heutigen Zustand der Grabungsstätte. (Foto: Wikipedia)

 

 

Nach dem Irak-Krieg richteten US-amerikanische Truppen im April 2003 einen Stützpunkt in Babylon ein, um die antike Stadt vor Plünderern und Grabräubern zu schützen. Polnische Truppen stießen einige Monate später hinzu und übernahmen im September 2003 die Lagerführung. Der Stützpunkt beherbergte bis zu 2000 Soldaten. Beim Bau des Lagers wurden Flächen für Park- und Hubschrauberlandeplätze freigeräumt und mit Schotter aufgeschüttet. Zudem wurden Schützengräben gebaut und Sandsäcke mit Sand aus den Ausgrabungsstätten gefüllt. Laut zweier Berichte des Konservators des Britischen Museums John Curtis aus den Jahren 2003 und 2005 wurde die Ruinenstadt erheblich beschädigt. So sei die 2600 Jahre alte gepflasterte Prozessionsstraße durch die Befahrung mit schweren Militärfahrzeugen beschädigt worden.

Saddam Hussein sah sich in der Nachfolge Nebukadnezars und damit als Repräsentant einer großen Kulturnation. Wie der antike Herrscher, so ließ auch er seinen Namen auf jeden der 60 Millionen Backsteine stempeln, mit denen der Palast wiederaufgebaut wurde. Zusätzlich ließ er drei Hügel mit einem Durchmesser von je 300 und einer Höhe von 30 Metern aufschütten, die Erdlöcher füllten sich mit Wasser. Auf einem dieser Hügel erhebt sich heute ein Palast Saddams. Um den Sinn der anderen Hügel ranken sich Legenden, die einen sehen auf ihnen Residenzen für Saddams Söhne, andere wollen sie als Fundamente einer Seilbahn erkennen, die Touristen einmal über Babylon hätte schweben lassen sollen.

 

Babylon ist kein idealer Ort für den Tourismus. (Bild: Die Welt)

 

 

Die Sicherheitslage im Irak hat sich seit dem Jahr 2007 verbessert. Damals stand das Land kurz vor dem Bürgerkrieg. Laut offiziellen Angaben gibt es rund 80 Prozent weniger Anschläge und Tote. Allerdings ist der Irak immer noch eines der gefährlichsten Länder der Welt. Die meisten Teile des Landes sind für Touristen „no go-areas“. Das gilt gerade für das historische Babylon, das frühere Zentrum des Zweistromlandes. Hier, im Zentralirak, kommt es immer noch zu zahlreichen Anschlägen.

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